Sonntag, 4. März 2018

Hinterhofleben | Die Geheimakte Maik Siegel


Hallo Ihr Lieben ...

... und herzlich Willkommen an Tag FÜNF und leider damit auch schon der letzte Tag unserer Hinterhofleben Blogtour. Du hast ja nun schon einiges über das Leben im Hinterhof lesen können und auch die Hausbewohner kennen lernen können. Aber wer steckt eigentlich hinter dem Buch? Ich freue mich dir heute den Mann hinter dem Buch ...
... vorstellen zu dürfen.


© Paloma Aliaga

Steckbrief


Name: Maik Siegel
Wohnort: Berlin
Sternzeichen: Steinbock
Hobbys: Literatur, Theater, Fußball
Lieblingsgetränk: Kaffee
Diese drei Wörter beschreiben mich am besten: lese versessen, ordentlich, ruhig




Das Schreiben begann für mich … in der Kindheit, ernsthaft aber vor vier Jahren.

Ich kann nicht schreiben ohne ... Ruhe.

Ein Buch muss … Leser verschlingen und sie in anderer Form wieder ausspucken.

Ein Kindheitstraum von mir war … einen Bauernhof zu haben.

Völlig unterschätzt wird … die Arbeit von Altenpflegern.

Diese Anmerkung zur Korrektur werde ich nie vergessen ... dass eine Figur nicht “rund“ sei, also anders konzipiert werden müsse. Das hat mich begreifen lassen, dass Romane trotz allem künstliche Konstrukte sind, die in sich geschlossen sein müssen, gewissermaßen „funktionieren“ müssen. 

Darauf bin ich besonders stolz: mich immer wieder aufgerafft zu haben, im Ausland zu leben.

Das ist die Schublade, in die mich alle stecken: ich wäre sehr diszipliniert.

Das schiebe ich immer vor mich hin: Steuererklärung

Das macht mich völlig wahnsinnig: selbstbewusste Ignoranz

Das wäre meine Superkraft, wen ich eine hätte: Die Fähigkeit, mir alles zu merken, was ich mir merken will.

Wenn ich für einen Tag den Körper mit einem Tier tauschen könnte, wäre das: Katze


© Paloma Aliaga

Nach unserer kleinen Aufwärmrunde, kommen wir zu den allgemeinen Fragen.

Bist Du hauptberuflich Autor oder ist das bisher deine Zweitbeschäftigung?

Zweitbeschäftigung – ich habe gerade mein Lehramtsreferendariat begonnen.

Welches Buch liest Du gerade bzw. hast Du zuletzt beendet?
NO ist not enough von Naomi Klein

Wenn Du nicht gerade schreibst, wie verbringst Du Deine Zeit?
Lesen, v.a. Zeitungen. Das klingt jetzt klischeehaft, aber es ist wirklich so.

Dein/e Lieblingsautor ist…? Warum?
Mehrere, müsste ich einen nennen, dann Roberto Bolaño, weil er es schafft, nur mit Worten das Gefühl zu erschaffen, dass unterhalb der Realität unserer Welt die er beschreibt, noch eine zweite lauert.

Wenn Du eine Schreibblockade hast, gibt es dann etwas bestimmtes, das die Blockade löst?
Habe leider noch kein Allheilmittel gefunden.

Gibt es ein Buch, das Dich so beeindruckt oder berührt hat, dass Du der Meinung bist, dieses Buch sollte jeder mindestens einmal gelesen haben? Wenn ja, welches und warum?
„Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf, weil er beschreibt, wie er sich völlig seiner Leidenschaft hingibt.

Gibt es ein besonders schönes/lustiges/skurriles Erlebnis, das Du als Autor hattest?
Das schönste Erlebnis war bisher die Premierenlesung. Nachdem die Geschichte jahrelang nur in meinem Kopf stattfand, wurde sie an dem Abend Realität, weil ich sie schließlich mit anderen, vorlesend, teilen konnte.

Welche bereits existierende Romanfigur hättest Du gerne aus Deiner Feder erschaffen? Und warum?
Starke Frauenfiguren wie Anna Karenina oder Effi Briest – des anderen Geschlechts zu sein und eine starke, nicht überzeichnete Frauenfigur zu erschaffen, das ist hohe Kunst.

Kommen wir nun zu allgemeinen Buchfragen.

Wie lange dauert es bei dir von der Idee bis zur Veröffentlichung deiner Geschichten?
Bei meinem Debütroman waren es 2,5 Jahre.

Wie entsteht bei dir eine Geschichte? Woher nimmst du die Ideen und deine Inspiration?
Die Hauptidee für eine Geschichte kommt meist völlig unvermittelt – beim Lesen, beim Spazierengehen. Sobald die Figuren existieren, kommen die meisten Ideen von allein – ich muss die Figuren dann meist nur durch die Geschichte „begleiten“ und sehen, was sie tun bzw. wie sie sich entwickeln, gerade auch innerhalb der Konstellationen mit anderen Figuren.

Inwieweit siehst du eine politische Verantwortung  als Autor?
Das ist eine sehr schwierige Frage, auf die ich keine klare Antwort habe. Ich denke, dass Kunstwerke eine Qualität haben können (sollten), die Menschen dazu bringen, politisch zu denken oder politischer zu werden. In diesem Sinne hat man als Autor die Möglichkeit, diesen Aspekt der Kunst stärker herauszustellen, ob man aber die Verantwortung hat, darüber bin ich mir noch nicht sicher.

Welcher Deiner Charaktere war die größte Herausforderung für Dich und warum?
Die größte Herausforderung war Inga, die Samih aufnehmen möchte. Sie ist hilfsbereit, aber anstrengend; tolerant, aber auch zwanghaft missionierend; sie will integrieren, aber auch bestimmen. Ich kann sie menschlich verstehen, finde einige ihrer Eigenschaften aber auch extrem schwierig zu ertragen und sehe sie deshalb als tragische Figur – sie will helfen, stiftet aber auch viel Unheil. Es war schwierig, sie zu erschaffen und glaubwürdig zu zeichnen.

Was war dein lustigster Vertipper?
Ich habe mal statt „Figur“ etwas anderes geschrieben, mich verschrieben, und dabei ist der Name einer Figur entstanden. Den möchte ich aber noch nicht verraten, er soll in einem zukünftigen Roman eine Rolle spielen.

Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, welche? Wäre das dann auch ein möglicher Soundtrack falls deine Bücher verfilmt werden würden?
Manchmal schreibe ich in der Stille, manchmal mit Musik – das ist dann immer Instrumentalmusik, alles andere lenkt zu sehr ab. Zum Soundtrack eignen sich die Lieder aber wohl nicht. Es gab trotzdem ein Lied, das ich vor dem Schreiben oft gehört habe und das mich auch ein wenig inspiriert hat – „Ein ehrenwertes Haus“ von Udo Jürgens.

Und jetzt geht es noch kurz in Richtung Zukunft. Hast Du schon ein neues Buchprojekt, das Deine Leser in nächster Zeit erwartet?
Ich schreibe an einem neuen Roman. Allerdings habe ich gerade mein Lehramtsreferendariat begonnen und habe deswegen derzeit wenig Zeit zum Schreiben, es kann also noch dauern, bis ich den nächsten Roman abschließe. 

Nenne den ersten Satz deines aktuellen Schreibprojekts.
Den kann ich nicht verraten 😉

Gibt es noch etwas, dass du deinen Lesern gern mitteilen möchtest?
Ich freue mich immer über Rückmeldungen, wie Lesern der Roman gefallen hat – positive und negative. Die kann man mir gern über eine Facebook-Nachricht zukommen lassen.

Da findet man mich:
facebook.com/MaikSiegel
instagram: @maiksiegelautor

Dein Buch „Hinterhofleben“ fand ich persönlich grandios. Ein wirklich tolle Geschichte mit so vielen Facetten, die mich positiv überraschte und ich sehr froh bin sie gelesen zu haben.

Bitte beschreibe die Geschichte in zwei bis drei Sätzen!
Hinterhofleben erzählt die Geschichte eines Berliner Mietshauses, in dem ein Paar einen syrischen Flüchtling aufnimmt. Die Nachbarn reagieren teilweise erfreut, teilweise verstört auf die Ankunft des "Fremden". Im Hinterhof ihres Hauses treffen Hoffnungen, Sorgen und Ängste aller aufeinander.

Hast du eine Lieblingsszene darin? Wenn ja, welche?
Als Tumaini das erste Mal Otts Wohnung betritt und in der von Büchern befüllten Wohnung zu begreifen beginnt, dass er Ott wohl völlig falsch eingeschätzt hat – der grantige Mann, den er in einer dunklen, kalten Wohnung vermutet hat, ist im Privaten zugewandt und witzig. Ein schönes Bild dafür, wie sehr uns erste Eindrücke täuschen können.

Nun zu meiner Lieblingsfrage ... ich liebe Zitate ... während des Lesens schreibe ich mir immer die schönsten in mein Notizbuch ein ... Hast du ein Lieblingszitat in dieser Geschichte? Wenn ja, welches?
„Ich sage immer, dass es besser ist, mehr Bücher als Menschen zu kennen, das ist gesünder.“ Zitat vom alten und grantigen Schriftsteller Ott an den jungen Tumaini.

Und last but not least ;) ... Welcher Protagonist in dieser Geschichte ist dir am Ähnlichsten und warum?
Alfons E. Ott, weil er Bücher liebt, manchmal mehr als Menschen. Darin liegt auch eine seiner Schwächen, die ich manchmal ebenfalls teile.  

Wen möchtest du mit deinem Roman erreichen?
Ich habe nie an eine bestimmte Zielgruppe gedacht, daher am liebsten so viele verschiedene Menschen wie möglich.

Gibt es einen bestimmten Grund, warum du über das Thema Flüchtling schreiben wolltest?
Ich habe mich sehr von den Theaterstücken „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horvath und „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann inspirieren lassen. In ihnen werden Menschen demaskiert, ihre dünne Zivilisationsschicht nach und nach abgeschabt, ihre bürgerliche Moral entlarvt. Andere, Schwächere wiederum werden Opfer der sozialen Gegebenheiten, erliegen in ihrem Milieu einem Teufelskreis aus Ausgrenzung und sozialem Abstieg. Etwas Ähnliches wollte ich mit einem Porträt der deutschen Gesellschaft erreichen und habe mich gefragt, welches Thema die Gesellschaft spaltet wie kein zweites. Und da war ich schnell beim Thema Flucht und Migration. 

Wie lief die Recherche ab? Beruht die Geschichte auf wahren Erlebnissen?
Während des Schreibens lebte ich im Ausland, meine Recherche fand also vor allem durchs Internet und Bücher statt. Die Geschichte beruht nicht auf wahren Erlebnissen, allerdings sind die Hintergründe von Samihs Flucht den Erzählungen geflohener Menschen, die in Zeitungen und Büchern publiziert wurden, entnommen.

Hast du während des Schreibens deines Romans über dich selbst und deine Einstellung zum Thema Flüchtlinge etwas für dich selbst mitgenommen bzw. gelernt? Inwieweit hat es dich selbst verändert?
Ich habe durch die Recherche viel über das Leid auf der Flucht gelernt, vor allem aber auch über das Leben in Syrien. Es hat mich die Situation vieler Menschen besser verstehen lassen. Gleichzeitig habe ich beim Schreiben bemerkt, wie die Meinungen aller Figuren, die sich teilweise sehr unterscheiden, alle in mir befinden. Man fühlt sich beim Schreiben – und wie ich gehört habe, auch beim Lesen – teilweise ertappt. Das ist wohl nicht zu verhindern, es ist menschlich. Entscheidend ist, wie man handelt und ich hoffe, dass mir der Roman dabei helfen wird, in Zukunft noch tiefer über die Ungerechtigkeiten, die Teile der Welt erfahren, nachzudenken. Gleichzeitig möchte ich mir aber auch die Fähigkeit, mich in die Perspektive derer, die dem Zuzug vieler Menschen sehr kritisch gegenüberstehen, hineinversetzen zu können, weiterhin bewahren.

Vielen, vielen Dank für deine Zeit und die Einblicke in dein Leben. Es hat mir viel Freude bereitet.


Natürlich kannst du auch heute wieder deine Chance auf diesen tollen Gewinn nutzen!


~~~ Was kannst du gewinnen? ~~~

Zu gewinnen gibt es:
2x je 1 Taschenbuch "Hinterhofleben"
3x je 1 E-Book "Hinterhofleben"


~~~ Wie kannst du gewinnen? ~~~
Beantworte die tägliche Frage in den Kommentaren des jeweiligen Beitrages. Du hast die Möglichkeit insgesamt fünfmal in den Lostopf zu hüpfen.

Die heutige Tagesfrage lautet:
Welche Frage hättest du dem Autor gestellt?

Das Gewinnspiel läuft bis zum 05.03.2018 um 23:59 Uhr.

Mit der Teilnahme am Gewinnspiel, erklärst du dich mit den Teilnahmebedingungen einverstanden.


Damit du auch keinen der liebevoll erarbeiteten Beiträge verpasst, habe ich hier für dich

* 28.02.2018 Ein brisantes Buch auf  Charleens Traumbibliothek
* 01.03.2018 Ein Haus als Querschnitt eines Landes bei Beatrice von Eine Bücherwelt
* 02.03.2018 Samih - Protagonist der Herzen bei Diana von Abendsternchens bunte Welt
* 03.03.2018 Kann ein Buch die Welt verändern bei Anna von Passion4Books
* 04.03.2018 Maik Siegel im Gespräch auf Sandys Welt

Die Gewinner werden zeitnah auf der Agenturseite bekanntgegeben.

Nun bleibt mir nur noch dir viel Glück zu wünschen und meine Däumchen zu drücken!


Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    Danke für die vielen schon gestellten und entsprechenden, beantworteten Frage bzw. Antworten dazu.

    Hm, vielleicht gibt es etwas in seinem bisherigen Leben was der Autor heute anderster machen würde...wenn das etwas zu sehr ins Private geht.

    Dann gerne auch die Frage nach seinem Lieblingsbuch in der Kindheit.

    Schönen Sonntag..KG..Karin...

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  2. Huhu,
    Danke für die vielen interessanten Informationen.
    Das ein Autor Bücher liebt ist ja klar, aber mich interessiert ob das schon immer so ist und ob er alles liest?
    Ich habe es zu Schulzeiten immer gehasst, wenn wir ein Buch bekommen haben, welches wir lesen mussten.

    LG Manu

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